Am 10. und 11. Mai 2007 haben wir das MorgenGrauen auf der SightCity, der größten Blindenmesse Deutschlands vorgestellt. Dazu konnten wir auf das umfangreiche Entgegenkommen der DZB - Deutsche Zentralbibliothek für Blinde in Leipzig zurückgreifen. Obwohl uns die Idee für die Präsentation sehr kurzfristig kam - danke an Xutelius und Innuendo - haben sie uns Platz an ihrem Stand zur Verfügung gestellt und uns eine Menge Material aufwändig in Punktschrift ausgedruckt. Wir wollten den Interessierten nämlich ein kleines Abenteuer aus dem Morgengrauen - Hilf dem Hausmeister der Akademie - am Rechner und auch auf Papier zeigen. Vielen Dank auch an Matthias Thomas von Mare-Floors, der uns kostenlos 2 Morgengrauen Poster druckte und die notwendigen Aufsteller auslieh. Sehr gefreut habe ich mich auch, dass Xutelius, Blivi und Innuendo so kurzfristig zugesagt haben, mit mir zusammen den Stand zu betreuen.

Am Donnerstag Morgen nach durchwachter Nacht, fuhr gegen fünf mein Zug nach Frankfurt. Dort etwas unausgeschlafen angekommen, erfuhr ich, dass Blivi schon selbst zur Messe gelangt war, so musste ich nur noch Xutelius und Innuendo von den Bahnsteigen abholen. Wegen eines Fehlers bei der Bahn-Seite hatte ich das falsche Gleis von Xutelius, so dass ich erstmal Innuendo abholte. Nachdem sich das geklärt hatte, sammelten wir einen Blinden auf dem Bahnsteig ein, der Henning hiess. Dumm nur, dass das der falsche war, er machte auch gar nicht den Eindruck, den ich bisher von Xutelius hatte, sondern war eher grummelig und missmutig. Das klärte sich dann, als mich der richtige Xutelius anrief, während wir alle schon auf der Messe standen.
Der Stand der DZB war schnell gefunden, wo uns Frau Hoffman schon freundlich erwartete. Also schnell Rechner aufgebaut, Xutelius hatte sogar seine Braillezeile mitgebracht, und die grossen Stapel Punktschriftausdrucke entgegengenommen. Schon beeindruckend, wieviel Platz Text in Braille braucht. Sehr beeindruckt war ich auch von der Geschwindigkeit der Sprachausgabe, mir ist es echt rätselhaft, wie Blivi und Xutelius in diesem rasenden Geplapper, das eher schon an ein Hintergrundgeräusch erinnert, überhaupt etwas verstehen können, geschweige denn alles.
Unsere Arbeitsteilung war wie folgt: Ich quatsche die Leute an, ob sie Interesse an Fantasyliteratur hätte, und die anderen drei bearbeiten sie dann am Tisch am konkreten Beispiel. So verging der Tag mit einigen Besuchern, die fast alle Interesse zeigten. Mal sehen, wie viele davon den Weg ins Mud finden. Richtig begeistert waren zwei Geschwister, die ihre Mutter etwas zur Verzweiflung brachten, weil sie nicht wieder weg wollten.
Nachdem ich Blivi und Innuendo zum Mittag geschafft hatte, war ich auf dem Rückweg zum Stand. Genau vor mir liefen ein blinder Mann mit seiner Freundin, die gerade an unserem Aufsteller vorbeikamen. Als die Frau Morgengrauen sagte, meinte er, das er das kenne. Auf meine Frage hin stellte sich heraus, dass er Avalon spielt und aktiv für die Verbreitung von Muds unter Blinden wirbt. Er hatte mir sogar schonmal eine Mail geschickt, die ich aber irgendwie nicht bekommen hatte. Wir haben uns ziemlich lange unterhalten, er ist sehr enthusiastisch. Von ihm bin ich ebenfalls auf das Problem mit den Kommunikationspräfixen im Morgengrauen hingewiesen worden. Das wird ein wichtiges Thema werden. Er versprach, später mal am Stand vorbeizukommen und dass wir in Kontakt bleiben wollten, um das Ganze etwas zu koordinieren. Damit war dann die ganze Zeit verbraucht und ich konnte die beiden direkt vom überteuerten Mittagessen abholen (eine Wiener mit Salat für 6,50).
Irgenwann war es dann 18:00 und wir packten zusammen. Die Bilanz für den Tag war nicht schlecht, so konnte es zum Stammtisch gehen. Vorher wollten wir noch einen Kaffee trinken, also ging es auf zum Hauptbahnhof. Dort folgten wir Innuendos Anweisungen und meiner Orientierungslosigkeit, die uns aber keinen Kaffee, sondern einen Rundkurs um den Bahnhof durchs Rotlichtviertel einbrachte. Etwas komisch haben die da schon geguckt, als ein Zwerg mit einer Blindentraube im Rücken durch die Strassen marschierte. Wieder am Bahnhof angekommen, gab's dann dort einen Kaffee.
Wir warteten noch auf potentielle Abholer, die nicht kamen, und gingen dann selbst zur Stammtischlocation home.new-in-town in der Niddastraße 101. An der Straße waren wir schon vorbeigekommen. Dort wartete C4 schon auf uns, und auch Gwen kam gleich darauf. Die kleine Kneipe ist schick und gemütlich und hat einen wirklich angenehmen Betreiber. Es gibt leckere Weine und superleckeres Essen für wenig Geld - das wird wohl die neue Stammtischkneipe von Frankfurt. Ark und Ronda scheuchten uns von den gemütlichen Ledersofas auf die Biertische und -bänke vor der Kneipe - irgendwas mit frischer Luft oder so. Als Danu dann auch noch auftauchte, war die Runde perfekt. Nur Firehawk fehlte, der musste leider arbeiten :(. Viel Spaß, mehrere Flaschen Wein auf Arks Wohl und einige Pasta-Teller später war der Abend leider vorbei, so gegen eins sind wir dann wohl zu Ronda gefahren. Innuendo hat schon vorher Danu nach Hause (Marburg) begleitet.
Bei Ronda wurden wir noch mit Glenturret 18 verwöhnt und haben noch zum Abschluss des Abends Saphirdrachen und Para-Paracelsus-Krams gemetzelt.
Wir hatten alle drei darüber nachgedacht, den Wecker zu stellen, aber Nachdenken alleine reicht wohl nicht. So kamen wir erst gegen halb zehn zu uns und sind direkt zur Messe gefahren. Ich hab für uns mit Blivis Rucksack (wichtig) die Frühstückssachen geholt. Drei heiße Kaffeebecher sind aua.
Das erste Opfer sah schon wie ein Rollenspieler aus, und ich hatte Recht, er spielt sonst Pen & Paper Rollenspiele. War sofort vom Mud begeistert und hat Xutelius den Rechner weggenommen.
Danach wurde der geplante Podcast für die DZB von Frau Hoffmann aufgenommen. Xutelius und Blivi standen Rede und Antwort und ich hab mich auf's Ergänzen beschränkt. Ich hoffe, die Nebengeräusche sind nicht zu laut und man kann die Geschwindigkeit der Sprachausgabe richtig nachempfinden. Die beiden haben sich wacker geschlagen, mal schauen was daraus wird. Das wird dann wohl hier zu finden sein: DZB-Podcasts
Das mit der Nachfrage nach Fantasy-Literatur war nicht soo erfolgreich. Es hatte zwar ein paar Leute interessiert, aber der groeßte Teil winkte gleich ab. Also überlegten wir eine Weile an einer neuen Fangfrage und entschieden uns für das interaktive Buch. Diese zog viel besser ...
Ich sprach z.B. einen jungen Mann mit Freundin und Hund an, der zeigte sich gleich interessiert, meinte aber nach kurzer Zeit, dass er sowas schon spiele. Und zwar ... MorgenGrauen! Da hab ich nicht schlecht gestaunt; einfach einen Mitmudder auf der Messe zu erwischen ist ja doch sehr unwahrscheinlich. Er hat uns dann auch später am Stand besucht und wir haben eine ganze Weile gequatscht. Bisher wusste keiner von uns, dass er auch blind ist, und so soll das auch bleiben. Daran sieht man wirklich, wie gut man als Blinder in einem Mud zurechtkommt. Auch von ihm kamen einige Tipps, was man noch besser machen könnte.
Später schleppte ich dann nochmal ein paar Leute an, die sich als Bekannte von Xutelius entpuppten. Die Welt ist wirklich ein Dorf.
So gegen vier begann die Messe sich dann aufzulösen. Auch wir packten unseren Kram, nachdem wir von den DZB-Betreuern noch einmal mit Kaffee und Getränken versorgt wurden. Blivi wurde zur S-Bahn gebracht und Xutelius zum Bahnsteig. Dumm war nur, dass ich, als ich für Xutelius eine Fahrkarte kaufen wollte, merkte, dass mein Portemonaie noch in Blivis Rucksack lag. Zum Glück war er noch am Hauptbahnhof. Also hinterhergefahren und Geld abgenommen und ihn in den Zug gesteckt. Zum Glück fuhr mein Zug auch dort lang.
Seine Schlussworte waren noch: Jetzt weiss ich warum die Gilde Chaos-Gilde heisst.
Mesirii @ MorgenGrauen