Bei einer lebhaft-froehlichen Diskussion heute auf -magier ist mir mal wieder klargeworden, wie sehr ich eine Diskussion ueber gutes Schreiben vermisse. Technisch klar, das findet statt. Aber vom Erzaehlen her reden wir kaum drueber. Ich poste mal als Appetithaeppchen zwei Links dazu aus dem englischsprachigen Raum, wo es in der IF-Community einen regen Austausch ueber diese Dinge gibt. (IF steht fuer Interactive Fiction.)
Mein erster Kommentar dazu: Wir bewegen uns hier vielfach noch recht planlos zwischen zwei Extremen: duerftigste Beschreibungen a la Akademiestrasse gegenueber Totgeschlagenwerden mit hunderttausend irrelevanten Details. Da koennten wir m.E. noch was lernen :)
Ennox hat vorgeschlagen, darueber einen Diskussionsthread im Mud-Wiki zu starten. Wenn ich den Link dazu jetzt haette, wuerde ich ihn posten, hab ich aber nicht. Freiwillige vor.
done.
Ich finde beides hat seine Berechtigung, sowohl Arkquests, als auch Akademiestrassen. Beides alleine wäre wohl nicht auszuhalten. Wenn man die Wahl hat in Gebiete zu gehen die viele Details hergeben, oder einfach nur rumzueieren ohne gross zu forschen, ist es immer noch am besten. Meine 5 cents zu diesem Thema hiermit eingeworfen ... :D
Ich seh bei diesem Diskurs kein "wir" welches sich irgendwo bewegt noch welches lernen könnte. Um das mal auszuführen:
Hinter den Magiern steht eine Person, die eine Geschichte erzählen will. Ich/Die Person kann diese Links als Anregung aufnehmen. Und damit ist die Sache eigentlich schon erledigt.
Wenn wenn ich/die Person die Geschichte auf andere Weise als bei IF reflektiert erzählen will, zB in Form von detaillosen Räumen, die einen fetten roten Faden zeichnen, den man nicht verlassen kann oder in Form eines grossen komplexen Gebäudes, bei dem man vom hundertsten ins tausendste kommt: dann ist dafür Platz und oft genug auch Konsument im MG. Denn MG ist nicht ein Spiel, sondern viele. Das hat sich so ergeben.
Klar, manchmal will ich ein altes Gebiet nach meinen Vorstellungen aufpolieren. Oft genug (eigene Erfahrung) stellen andere danach fest, dass die neue Version von ihrer Erinnerung zu sehr abweicht. Also Vorsicht beim finden eines "optimalen Weges". Ein Blick in einen Buchladen zeigt einem schnell, wie sehr Geschmäcker divergieren.
Ich gebe dir recht, es geht nicht um den 'optimalen Weg', den es gar nicht gibt. Sondern darum, sich dessen bewusst zu sein, dass man eine Geschichte _immer_ in einer bestimmten Art und Weise erzaehlt und dass das eine Wirkung hat, eine günstige oder ungünstige, beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Diese Wirkung kann man durch Bewusstmachen und Übung im Schreiben gezielter einsetzen. Mag sein, dass auch einem ungeübten Schreiber mal ein Geniestreich gelingt - meist ist das aber nicht so, sondern es ist sehr schnell zu merken, wenn jemand einfach mal so drauflos macht :)
Mir geht doch nicht darum, das MG in Punkto Gebietsgestaltung gleichzuschalten, sondern um die Möglichkeiten und Wirkungen der verschiedenen Erzählweisen. Ein bewusst sehr simples Beispiel: Du willst einen total chaotischen Raum beschreiben. Würdest Du das als Meta-Info rübergeben (a la 'In diesem Raum herrscht ein furchtbares Durcheinander.') oder eher versuchen, das Chaos auch in der Beschreibung selbst lebendig erscheinen zu lassen (a la Fegefeuer') - wo die Form und die Mittel dem Inhalt entsprechen? Ich könnte mir Szenarien vorstellen, wo ersteres für mich die Möglichkeit der Wahl wäre, aber nur in recht eigenartigen Kontexten :) Es läuft letztlich auf ein sinnvolles Umgehen mit den eigenen Fertigkeiten raus: wenn ich das und das darstellen will, _wie_ mache ich das am besten? Allein schon die Freiheit zu haben, es auf unterschiedliche Weise machen zu können, erfordert, dass man diese verschiedenen Möglichkeiten überhaupt mal sieht, im Repertoire hat und darunter wählen kann. Und das erfordert eben ein bisschen Aufmerksamkeit und Übung im Schreiben.
Ich bin gar nicht mit allem einverstanden, was Nelson in seinem Essay sagt, mir ist das teilweise zu apodiktisch und vorschriftsmäßig. Darum geht es aber auch gar nicht. Was den Essay so herrlich fruchtbar macht, ist, dass er zeigt: so und so kann man etwas machen, und die und die Wirkung kann das dann haben. Welche Wirkung ein Autor letztlich erzielen _will_, ist ja eh immer seine eigene Sache. Es muss keineswegs das sein, was Nelson gut findet :), nur ist es vorteilhaft, sich darüber klar sein, _dass_ es solche Wirkungen gibt und wie sie zustandekommen. Wirkungen, die möglicherweise ganz andere sind als die, die man beabsichtigt hat. Ich glaube, jeder, der sich mal in irgendeiner Kunstform ein bisschen geübt hat, weiss, wie schwer es sein kann, die Wirkung zu erzielen, die man beabsichtigt hat, also ich weiss es... die rosarote Brille der eigenen guten Absichten hat verdammt dicke Gläser :) Die Naturgenies mal ausgenommen, gilt wohl normalerweise: je mehr Übung jemand im Schreiben hat und je (selbst)kritischer er ist, was die Wirkung seines Texts angeht, desto eher kommt auch auf andere die Wirkung zustande, die er beabsichtigt hatte. Desto besser schreibt er eben. Und genau dazu, Schreibweise und Wirkung, gibt Nelson ein paar schöne, witzige und anschauliche Beispiele, und wenn sein Essay ein bisschen predigtmässig rüberkommt, mir recht. Ich glaube, dass er sich dieser Wirkung durchaus bewusst ist :)